Ü60. Design für Morgen.
studentisches Semesterprojekt, Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle, 2012
Betreuung: Prof. Frithjof Meinel, Enrico Wilde, Stephan Schulz, Foto Teaser: Julia Fellner

Drei Hochschulen, ein Thema

Produkte für Ältere zu entwickeln ist nicht neu. Seit Jahren wächst das Interesse an den sogenannten „jungen Alten“ (Old Ages). Das Projekt „Ü 60 – Design für Morgen“ greift dieses Thema auf, indem es alternative Herangehensweisen praktiziert. Drei Hochschulen aus Schneeberg, Halle und Bozen sollten während eines Semesters neue Perspektiven auf das Thema „Alte“ und Designobjekte für eine älter werdende Gesellschaft entwickeln. In dieser Zeit gab es neben gemeinsamen Treffen auch Workshops, Exkursionen und Vorträge. Die Studierenden sollten mit ihrer Kreativität und freien Denkweise unkonventionelle und inspirierende Lösungen finden. Wichtig war von Anfang an, dass sie nicht nur an die jetzige ältere Generation denken, sondern auch sich selbst als „die Alten von Morgen“ wahrnehmen sollten. Das Team der Burg Giebichenstein aus Halle wollte nicht nur notwendige Funktionen erfüllen und positive Emotionen wecken, sondern vor allem eines: Sinn stiften. Die Ergebnisse reichen von mobilen Objekten zur Bewahrung des Gleichgewichtssinns bis zur Begegnungsstätte für fit gebliebenen Ältere mit hoch gestressten Jüngeren, die die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit im Arbeitsprozess überschritten haben.

 

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„Sozius“ – Generationsschaukelobjekt Was ist typisch Alt? Was ist typisch Jung? Welche Symbole verbinden wir damit? Sind es für das Alter Objekte wie der Schaukelstuhl oder der Ohrensessel als Zeichen für Ruhe, verbinden wir mit unserer Kindheit das Verstecken, Höhlen bauen oder Klettern. Ursprung meiner Arbeit war der Gedanke, Bezüge zwischen Alt und Jung zu schaffen, um so Gegensätze und Gemeinsamkeiten gegenüber zu stellen. Aus dem vermeintlich großen Kontrast zwischen den Generationen sollte ein Ort / Produkt der Kommunikation entstehen. Entstanden ist ein Möbel, welches die Ruhe und Entspannung im Alter zwar ermöglicht, gleichzeitig aber zum Spielplatz für das Enkelkind werden kann. Ruhe und Bewegung, Entspannung und Spielen, Kind sein und Alt werden sind in „Sozius“ allgegenwärtig. Basierend auf einem System aus CNC-Frästeilen, kann das Möbel je nach Bedarf wachsen oder schrumpfen und schlägt den Spagat zwischen Ruhe-und Leseecke für die „Alten“ und Spielecke für die „Jungen“. Stoffbahnen mit Polstern, die sich um das gesamte Objekt ziehen, schaffen Schutz beim Spielen und ein wohltuendes Ambiente beim Lesen und Schaukeln. Gestalter: Jens Wilhelm

 

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Walk the Line „Walk the Line“ ist ein dreidimensionales Handlaufsystem für den privaten Innenraum, an das Adaptionen gehangen werden können. Der Entwurf berücksichtigt dabei besonders die motorischen Fähigkeiten älterer Menschen, als auch das Bedürfnis nach Sicherheit und Selbstständigkeit in der eigenen. Der Handlauf dient als konstruktives Element zur Befestigung von Regalen und Ablagen, fungiert aber auch als gestalterisches Element und formt sich zur Garderobe, als auch zum Raumteiler. Die Zusatzelemente zur individuellen Präsentation von Erinnerungsstücken. Erweitert wird das System durch eine Leseleuchte zum Verkeilen zwischen Wand und Handlauf, als auch durch ein Polster zum Anlehnen und Ausruhen. Das Handlaufsystem „Walk the Line“ soll älteren Menschen mehr Unterstützung bei den alltäglichen Tätigkeiten im Haushalt geben. Durch eine ergonomische Anpassung der Adaptionen sind alle Stauflächen gut zu erreichen und der Fußraum bleibt frei. Stolperfallen sollen somit vermieden werden. Eine integrierte Beleuchtung gibt Orientierung in der Dunkelheit. Die Hängeregale lassen sich werkzeugfrei durch ein einfaches Steckprinzip schnell auf- und abbauen. Ergänzt wird das Handlaufsystem durch einen Tisch mit umlaufender Haltestange. Durch seine Griffmöglichkeit bietet er Sicherheit in der Mitte des Raumes und gibt Halt bei den verschiedenen Handlungen am Tisch. Gestalter: Kirstin Overbeck

 

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Transboard Transboard ist ein Longboard, für all diejenigen Menschen, die auch im Alter nicht aufs Rollen verzichten können und sich mit sportlicher Leidenschaft weiterhin schadstofffrei bewegen wollen. Transboard hat einen erhöhten Sicherheitsfaktor, eine verbreiterte Achse, ein Lenker vermittelt ein sicheres Fahrgefühl, gibt einen zusätzlichen Haltepunkt und eine Bremse Geschwindigkeitskontrolle. Eine adaptive Transportfläche und die Faltfunktion fördern die Alltagstauglichkeit. Die Vorderräder haben einen Nabenmotor inkl. Akku, werden über ein Handy angesteuert und unterstützen die Bergauf- oder Transportfahrt (nicht autonom). Der Akku liefert Strom für das Handy und Licht. Das Deck ist aus recyceltem Holz eines Lattenrostes hergestellt worden. Gestalter: Hannes Trommer & Tino Kalettka

 

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Rumpel Die demographische Entwicklung in Deutschland und anderen Ländern nimmt immer dramatischere Züge an. Die Sozialsysteme werden kollabieren und eine überalterte Gesellschaft enstehen lassen, die von Krankheit, Armut und Kriminalität geprägt ist. Obdachlos und sich selbst überlassen müssen die Alten der Zukunft jede Ressource nutzen, die Ihnen vor den Rollator kommt. Auf dieser Basis wurden Produkte für Senioren entwickelt, die den Super–Grau überleben wollen. Um der überwältigende Anzahl von Senioren Herr zu werden und den Alten noch lange ein weitgehend selbständiges Leben zu ermöglichen,werden in Zukunft mobile Wohneinheiten wie diese so manchen Hinterhof und Marktplatz dominieren. Jeder Container verfügt über Abfallsortierkästen, Trinkwassertanks, Stauraum und einen abschliessbaren Wohnbereich mit Abwasservorrichtung. Autarkes Wohnen nahe an wirtschaftlich relevanten Ressourcen. Diese Wohncontainer zeugen von einem aktiven, kreativen Leben im Alter ohne Kompromisse. Der Sanitärcontainer ist das Beiboot und ein vielseitiger Helfer zum Entspannen, Waschen, Reinigen, Aufbewahren und Aquirieren neuer Wertstoffe im Wohnumfeld des Alten. Der zukünftige Senior ist ein Jäger und Sammler. Gestalter: Philipp Stingl

 

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Accessory for Elderly Sich Termine merken, Kleinigkeiten sicher aufbewahren, kleine Schriften entziffern, Schraubverschlüsse von Flaschen öffnen- einiges davon kann im Alter schwer fallen und die Mobilität einschränken. Die Kollektion „Accessory for elderly“ ist ein modulares System, bestehend aus einem Ring, einer Kette und einem Schlüsselanhänger, an die durch Magnete Funktionsteile befestigt werden können. Die Funktionsteile helfen bei alltäglichen Problemen, wie z.B. beim Öffnen von Schraubverschlüssen oder beim Lesen. Außerdem gibt es ein Döschen, einen Spiegel, einen Notizblock und verschiedene Symbole. Diese Merkhilfen dienen dazu, sich eigene Eselsbrücken zu bauen. So kann man an regelmäßiges Trinken oder wichtige Termine erinnert werden. Die Kollektion soll gleichzeitig Helfer und Schmuck sein, ständiger Begleiter und Mittel, um mobil zu bleiben. Gestalter: Margarethe Prokofiev

 

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Reminder Der Entwurf beschäftigt sich mit der Aufbewahrung von Erinnerungsstücken. Dabei wird die Funktion des Gedächtnisses aufgegriffen und es entsteht ein spielerischer Umgang mit Erinnerungen. Entstanden sind zwei Objekte – ein Sideboard und eine Leuchte. Das Sideboard beherbergt Erinnerungsstücke. Im geraden Teil der großen Schublade liegen Dinge die häufig gebraucht werden. Alle anderen rutschen automatisch immer tiefer in das Möbelstück herunter. Durch die beweglichen Ablageflächen auf dem Holzkörper können die Erinnerungsstücke in jeder Position wieder hervorgeholt und neu eingeordnet werden. Das entstehende Bild wandelt sich und passt sich dem aktuellen Gebrauch an. Das Verschieben der Ablageflächen gibt zusätzlich immer einen neuen Fokus auf die innenliegenden Gegenstände. In der Leuchtschale können Dinge aus dem Sideboard oder wichtige Alltagsobjekte besonders hervorgehoben werden. Gestalter: Antje Pesel

 

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Toady Der durchschnittliche Friedhofsbesucher in Deutschland ist 70 Jahre alt und weiblich. Diese Frauen kommen meist wöchentlich auf den Friedhof um die Gräber ihrer Angehörigen zu Pflegen – in Gedenken an diese, aber auch, weil sie die gärtnerische Tätigkeit genießen. Dabei fällt es ihnen schwer, Werkzeug und Wasser zu transportieren, im Frühjahr frische Erde und Blumen zum Grab und im Herbst die organischen Abfälle zum Kompost zu bringen. Zum Großteil muss man seine Werkzeuge und Erde selber mit zum Friedhof bringen und dort oft noch weit tragen. Da oft nur schwere zehn Liter Gießkannen zur Verfügung stehen, kann der Friedhofsbesuch auch zur körperlich Last werden. Mit Toady können zehn bis zwölf Blumen, vierzig Liter Erde und neun Liter Wasser bequem transportiert werden. Zudem dient er als Geräteträger und Sitzmöglichkeit und kann genauso im Gartenbereich benutzt werden. Gestalter: Robert Jähnen & Markus Rossnagel
G.Stein Friedhöfe sind keine Orte für die Toten, sondern Orte, an denen die Hinterbliebenen ihre Verstorbenen begraben und ihrer gedenken. Dafür werden keine Monumente gebraucht, sondern ein Platz, der dieser Funktion gerecht wird. Der G. Stein ist ein individualisiertes Grabmöbel, indem Gartenwerkzeuge, Vasen und Lichter sicher verwart werden können. Der Schriftzug kann von hinten beleuchtet werden. Gestalter: Robert Jähnen & Markus Rossnagel

 

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Parkbank „für Elise“ Ältere Menschen brauchen Orte im öffentlichen Raum, an denen sie Kontakte knöpfen, eine Pause machen und gleichzeitig aktiv am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können. Musik fördert die Geselligkeit und trainiert die Beweglichkeit. Gestaltet wurde ein Musikobjekt, welches Ältere nicht nur zum Musizieren sondern auch zum Kommunizieren und Verweilen einlädt. Die Präsenz älterer Menschen in Fußgängerzonen und öffentlichen Parks wird damit erhöht. Sie bringen sich positiv in das Stadtbild ein. Gestalter: Christine Rackel

 

Grassimesse 2012, Grassimuseum Leipzig.Ü60 - Design für morgen.
FiBa-Würfel Der Fitness- und Balancewürfel gibt Menschen im hohen Alter die Möglichkeit sich einfach sportlich fit zu halten. 4 Ecken, 6 Seiten und jede Seite kann mit einem anderen Modul bestückt werden, der eine neue Übung ermöglichst. FiBa passt sich dem Fitnessgrad des Benutzers an und kann somit individuell zusammengestellt werden. Die nicht benötigten Module können bequem und einfach im Inneren des Würfels verstaut werden. Zudem bringt jedes Modul passende Übungen mit. Durch unterschiedliche Ansteckvarianten der Module können die Übungen variiert und erschwert werden. Dabei ist FiBa sicher und bringt auch in der Gruppe Spaß und Fitness. Hierfür sorgen insbesondere seitlich angebrachte Griffe. Für Jung und Alt, für weniger und mehr Fitnessliebende ist FiBa stets der passende Lebensbegleiter. Gestalter: Sabina Kiendzinski

 

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Stadtkompass Der Stadtkompass ist eine kleine Architektur im urbanen Umfeld, die die Mobilität älterer Menschen in der Stadt durch zugeschnittene Angebote fördert und ihren gemeinsamen Aktivitäten Raum bietet. Jeder soll die Möglichkeit bekommen, sich aktiv einzubringen oder zu engagieren, in dem er eine Stadttour zu einem selbstbestimmten Thema organisiert und durchführt. Dabei kann man erworbenes Wissen aus Beruf oder Hobby weitergeben und gemeinsam die Stadt immer wieder neu entdecken. Alternativ nimmt man an den Angeboten anderer teil und stellt dabei gleichzeitig Kontakte innerhalb der Nachbarschaft her. Der Stadtkompass ist dabei nicht nur Startpunkt dieser Touren und Anlaufstelle für die Interaktion mit Jung und Alt, sondern bietet auch Unterstützung bei Organisation, Orientierung und Bewältigung alltäglicher Wege in der Stadt. So entwickelt sich nach und nach ein immer dichteres soziales Netzwerk, welches eine aktive Teilnahme an der Mobilität im städtischen Raum selbstverständlich werden lässt. Gestalter: Charlotte Welk

 

1 Student – 1 Stock. Jeder Student entwirft entsprechend seines thematischen Zugangs einen Gehstock

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Öffentlichkeit

Internationale Möbelmesse in Mailand 2013;

IMM Köln 2012;

Grassimesse Leipzig 2012;

Tagesschau, 2012 ….. Bericht bei min 10:30

artour, 2012

mdr um 11, 2012 ….. Bericht bei min 0:32

leipzig-fernsehen, 2012 ….. Bericht bei min 0:17

 


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